Nicht mal fünf Zentimeter misst das Kunstwerk des Monats Juni, der Münzbecher „Dortmunder Femelinde“, das im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster ausgestellt wird. Das kleine Exponat aus der Münzsammlung des Museums steht für hohe Handwerkskunst. Bis Ende Juni ist es in der Vitrine im Museumfoyer zu sehen. Am Donnerstag (22.6., 17 Uhr) erklärt Stefan Kötz, Kurator Münzkabinett, wie aus einer Münze der Becher getrieben wurde.

Bild: Friedrich Messing (1799-1868), Münzbecher „Dortmunder Femelinde“, um 1845/50.
Foto: LWL/Sabine Ahlbrand-Dornseif

Von der ursprünglichen Münze sind nur noch der erhöhte Rand mit der Schrift entlang dem Becherrand und die Münzrandschrift zu sehen. Aus einem preußischen Doppeltaler von 1845 hat der Dortmunder Silberschmied Friedrich Messing (1799-1868) den Becher getrieben. Der vergoldete Becher zeigt eine Linde, dazu die gravierte dreizeilige Inschrift DER FREISTUHL ZU DORTMUND | Die letzten Ueberreste der ehemaligen | Vehmgerichte in Westphalen.

Freistuhl hießen in Westfalen seit dem 13. Jahrhundert die allgemeinen Landgerichte für alle Freie mit Zuständigkeit für schwere Rechtsfälle. Im Spätmittelalter erlangten manche dieser Gerichte, auch der Stuhl zu Dortmund, einen besonderen Status als sogenannte Fem(e)gerichte, verbunden mit einem reichsweiten Rechtsprechungsanspruch. Diese Sondergerichtsbarkeit ging bald stark zurück; bis 1803 war auch der Dortmunder Stuhl, gelegen unter den Linden vor den Toren der Stadt, nur noch von lokaler Bedeutung.

Isoliert und idealisiert wird die Linde auf dem Münzbecher zum Symbol für die alten westfälischen Freigerichte mit dem Hauptstuhl Dortmund und damit auch für die Reichsstadt. Verquickt mit der spätmittelalterlichen Feme, einer westfälischen Spezialität, konnte die Linde so aber auch zu einem Symbol für Westfalen werden.

Es war die Zeit der Romantik mit ihrem Interesse an der Geschichte und deren Relikten, auch die Zeit des Vormärz mit seinen politisch-nationalen Idealen, die Symbole, Denkmäler, Identifikationsorte, brauchten. Und von einem solchen westfälischen Identifikationsort ist die „Dortmunder Femelinde“ zu einem westfälischen Erinnerungsort bis heute geworden.

In der Führung „5 Uhr im Museum“ am Donnerstag (22.6.) stellt Stefan Kötz, Kurator für das Münzkabinett am LWL-Museum für Kunst und Kultur, den Becher und seine Geschichte vor. Die Teilnahme ist kostenlos.