Wer weiß heute noch, dass es in Deutschland mal etwa 3.000 Apfelsorten gab?
Mitte des 20. Jahrhunderts reduzierte sich durch den marktorientierten Anbau von Obst diese Vielfalt auf wenige Sorten mit makellosem Äußerem, aber oft mit wenig Geschmack.

SANYO DIGITAL CAMERABild: Obstbaumaktion 2012 – Rainer Bethlehem nimmt fachmännisch den Erstbeschnitt vor und erläutert den Umstehenden, worauf sie zu achten haben.

Früher gab es Sorten für fette, feuchte, arme, trockene Böden, für windoffene Lagen, für Lagen, in denen Spätfrost herrschte, eben für regional typische Standortbedingungen.
Dann gab es Sorten, die im August reiften, im September oder Oktober, Sorten, die man direkt genießen, und andere, die man bis ins nächste Jahr hinein lagern konnte.
Überlebten alte regionale Sorten zuletzt fast nur noch auf Streuobstwiesen, findet heute zum Glück eine Rückbesinnung zu dieser schmackhaften, vielseitigen und individuellen Alternative zur importierten Massenware aus dem Supermarkt statt.

Lokale Agendagruppen im ganzen Land haben daher schöne Ideen rund um die Obstbäume entwickelt. Hier ein Beispiel:

Ab dem 1. September 2014 können Bürger der Stadt Rheda-Wiedenbrück Obstbäume bestellen. Im Sinne der Erhaltung alter, regionaltypischer Sorten bietet das Bürgerforum „Lokale Agenda 21 Rheda-Wiedenbrück“ fünfzig selten gewordene Apfel- und Zwetschgenbäume an.
Interessenten erhalten im Bürgerbüro im Rathaus Rheda oder via Internet www.la21-rhwd.de das Bestellformular. Durch ein Teilsponsoring der Lokalen Agenda 21 Rheda-Wiedenbrück können die Bäume, inklusive Pflanzset (Baumpfahl, Kokosstrick, Krampen und Pflanzanleitung), kostengünstig für 15 Euro erworben werden. Pro Familie wird ein Baum abgegeben – solange der Vorrat reicht. Spätestens bis zum 30. September kann im Bürgerbüro bestellt und bar bezahlt werden.
Am Samstag, 8. November, von 10 bis 12 Uhr stehen die bestellten Obstbäume vor dem Reethus zur Abholung bereit. Der Obstbaumkundler (Pomologe) Rainer Bethlehem wird den Pflanzschnitt fachkundig vornehmen und Tipps für die weitere Pflege geben.
An diesem Morgen wird die Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) Bienenhotels, Nistkästen und anderes anbieten. Die Umweltberatung der Stadt unterstützt die Aktion mit frischem FairTrade-Kaffee. Wenn das Wetter mitspielt, können Kinder Filzäpfel basteln.
Mit dem gegenüber den Vorjahren veränderten Procedere können die Bürger in Ruhe bestellen. So entzerrt das Bürgerforum den Tag der Abholung, an dem die Bürger ihre Bäume entspannt beschneiden und mitnehmen können. Wartezeiten für den Erstbeschnitt durch Rainer Bethlehem sind dennoch einzuplanen.

Diesen Trend möchte die Lokale Agenda 21 mit ihrer Obstbaumaktion in Zusammenarbeit mit Herrn Bethlehem unterstützen:
Kleinwüchsige Kronen alter Sorten werden auf starkwüchsigen Wurzelunterlagen veredelt. Diese Bäume wachsen gut und gesund auf den hiesigen sandigen Böden. Die Bäume werden bis zu fünf Meter hoch und breit und lassen sich gut in kleine Gärten pflanzen und leicht beernten.
So werden die Apfelsorten „Zuccalmaglios Renette“ und „Finkenwerder Herbstprinz“ (beides Herbst-/Spätherbstsorten), „Prinz Albrecht von Preußen“ und „Dülmener Rosenapfel“ (Spätsommer-/Frühherbstsorte), der „Winterglockenapfel“ (Wintersorte zum Einlagern) und Hauszwetschgen für interessierte Bürgerinnen und Bürger angeboten. Die Äpfel sind sehr wohlschmeckende Tafeläpfel, lassen sich also sofort und frisch verzehren. Mit dem „Schönen aus Wiedenbrück“ wird eine Apfelsorte angeboten, die sich als Wirtschaftsapfel eignet. Informationen zu den einzelnen Sorten gibt es auf der Homepage der Lokalen Agenda www.la21-rhwd.de und bei der Umweltberatung der Stadt (Tel. 963-234).