Der Lippische Nachhaltigkeitspreis 2015 geht an Agnes Sternschulte, Landschaftsökologin im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Der Lippische Heimatbund und der Verein Lippequalität sowie die Regionalbewegung der Lippefreunde e.V., zeichnen damit eine engagierte Kämpferin für bedrohte Tier- und Pflanzenarten aus.

LQ_Sternschulte3Seit 30 Jahren im Einsatz für die Artenvielfalt: Friedrich Brakemeier (links), Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes, und Lippequalität-Vorsitzender Günter Puzberg zeichneten die Landschaftsökologin Agnes Sternschulte dafür mit dem Lippischen Nachhaltigkeitspreis aus.

Vor mehr als 170 Gästen überreichten die Vorsitzenden der Vereine, Günter Puzberg und Friedrich Brakemeier, die Auszeichnung und ein Gemälde „Sternrenette“ der Kalletaler Künstlerin Ute Fischer. Die Preisträgerin bezeichnete sich selbst zwar nur als „Teil eines großen Orchesters“ und dankte dem Team des Museums. Doch es brauchte gleich zwei Laudatoren, um ihr drei Jahrzehnte währendes Engagement für den Artenschutz zu würdigen: Agraringenieur Mathias Vogt mit Blick auf die Tierwelt und Dr. Gertrud Hein als Expertin für seltene Pflanzen.

„Die biologische Vielfalt zerrinnt uns zwischen den Fingern“, warnte Hein, Bildungsreferentin bei der Natur- und Umweltakademie NRW. Die Lebensräume vieler Pflanzen verschwänden unter Asphalt oder in gleichförmigen Vorgärten. So sei der Andorn in ganz Nordrhein-Westfalen nur noch im Freilichtmuseum Detmold zu finden – dank Agnes Sternschulte. Der Botanische Garten Bonn habe schon im Museum angefragt, um überhaupt noch Saatgut für den Andorn zu erhalten.

Agnes Sternschulte sorge dafür, dass alte Gemüsesorten und andere selten gewordene Pflanzen erhalten bleiben, die früher in Nutzgärten oder am Wegesrand selbstverständlich waren. Die Preisträgerin mache diese Pflanzen mit allen Sinnen erlebbar. „Hier können Jahr für Jahr viele tausend Besucher sehen, riechen, fühlen, schmecken. Das Freilichtmuseum hat sich dank Agnes Sternschulte im Bereich der Umweltbildung eine herausragende Stellung erworben.“ Das Themenjahr „Marsch, marsch ins Beet“ war 2014 auch für die Preisträgerin selbst ein ganz besonderes Projekt, um längst vergessene Pflanzenarten in den 14 Gärten des Museums wieder ins kollektive Gedächtnis zu bringen.

Mathias Vogt, Vorsitzender des Zuchtverbandes Senner Pferde, hob Agnes Sternschultes Verdienste beim Aufspüren, Erhalten und Präsentieren seltener Tierrassen hervor. Die Palette reiche dabei von der Lippe Gans und dem Westfälischen Totleger über Bunte Bentheimer Schweine und das Rote Höhenvieh bis zur ältesten Pferderasse Deutschlands, den Sennern. Alte Rassen müsse man nutzen – den Kochtopf oftmals eingeschlossen – um sie zu erhalten. Auch Veranstaltungen wie „Pferdestark“, lange Zeit maßgeblich von Agnes Sternschulte mit betreut, sensibilisierten Zehntausende für das Thema. Vogt würdigte die Preisträgerin als engagierte Netzwerkerin in Sachen Artenschutz. Nicht zuletzt dieses Netzwerken mache ihre Arbeit erfolgreich – und nachhaltig.