Zu Weihnachten , zugegeben schon ein Weilichen her, gab es für die Neugärtnerin das Buch von Jakob Augstein „Die Tage des Gärtners“. In der Sommerfrische ist jetzt mal das Lesen angesagt. Erstmal auch bei 35 Grad Celsius ist Herr Augstein lesbar, da sehr flüssig geschrieben und bei dem Thema mit der passenden Wortwahl auch eingängig.
Eine zentrale These erschien sehr bedenkenswert: alle Gärten wurden von alten alleinstehenden, meist verwitweten Damen gepflegt, die die viel zu großen Flächen in extensive und partielle Blumenmeere verwandelt hatten. Je nach Familiennachwuchs, mussten Flächen von Rasen vorgehalten werden, falls die Enkelkinder doch mal zu Besuch kamen und vor lauter Langeweile bei Kaffeetisch mal an einen Ball treten oder mit dem Schläger hauen wollten. Für die Kindergeneration hieß das einmal im Jahr den Vertikultierer der Schwiegereltern ins Auto wuchten und einen Frondienst-Arbeitseinsatz bei der Rasenpflege ableisten. Hier der Mutter den Gefallen tun, wenn sonst die Schwiegereltern, gerne die Eltern der Ehefrau immer vorgehen. Stress sollte zu Hause ja ausbleiben,…

Und dann sind sie alle gestorben. Bei Jahrgängen von 1925-1945 passiert das immer häufiger. Damit werden dann die so gepflegten und schon vorhandenen Gärten frei. (Auch weil diese Gärten mit den viel zu großen Häusern dann gerne verkauft werden.) Also basiert das Neugärtnerdasein hier auf der Altanlage und laut Augstein ist es die einfachere Variante einen Garten neu zu besitzen. Damit kann der Neugärtner nämlich durch abwägen zum Alten den Garten und seine Wünsche für sich entdecken. z.B. in Punkto Sommer, Sonne, Schatten, hat diese Übernahme den Vorteil ev. Über Gehölz oder Großbüsche zu verfügen, die Schatten spenden, wenn vielleicht die Hausverschattung mangels finanziellen Mitteln, (Man hat das Haus mit großem Garten ja erst gekauft) noch nicht optimal ist.
Etwas was aber in diesen Gärten zu 95% der Fälle nicht vorhanden sein wird ist der Teil des Nutzgartens. Genauer des heimischen Gemüsegartens. Das Ziehen eigenen Gemüses ist in den Jahrgängen verpönt. Ein Zeichen von Armut, die es durch das Wirtschaftswunder und durch die Dr. Oetker Backmischungen, den Supermarkt und die praktischen Fertigprodukten überwunden galt. Verpackungsmüll als Wohlstandszeichen. Das höchste der Gefühle waren vielleicht die jährlich gehaltenen Tomatenpflanzen im Topf, aber keine Kartoffeln, keine Salate, keine Möhren, keine Zucchini etc. No, never, soviel Arbeit, nein, nein, nein.
Daher ist Garten für die neuen Urbangardeners oder die neuen „Double Income no oder two Kids“ an dieser Stelle neu zu definieren. Das stimmt und ist in der Tat eine Aufgabe die Planung verlangt.
Da hat Herr Augstein auch recht.
Und sehr schön ist auch seine Beschreibung des Geräte bzw. Waffenarsenals im Schuppen oder der Garage. Und es geht eben nicht ohne, da heute ja auch viele Anbieter tolle so praktische Dinge anbieten, die beim Einsatz entweder in der Garage vergessen sind oder durch die alten Universalgeräte obsolet werden. Wirklich brauchen braucht man nicht viel, auch wenn der Gartenfachmarkt so viele tolle Dinge immer und immerwieder für die Neugärtner im Angebot hat. Hier scheidet sich das materialbefeuerte Gärtnertum von den Freunden der Blüten und Pflanzen. Die Denken vom Ergebnis, die anderen vom Weg dahin und was alles fehlt. Der alte Zwiespalt Mangel gegen Fülle sozusagen,….
Da noch ein Tipp von einem befreundeten Gärtner. Die Geräte die einem liebgewonnen immer in der Gärtnerschürze oder Hose stecken gerne 3-5 Mal kaufen, da sie manchmal einfach im üppigen Grün verschwinden. Gerne auch die Griffe mit neofarbe markieren, jedenfalls mit einer Farbe die nicht im Garten vorkommt, dann ist das mit dem Wiederfinden einfacher. Und eine Lederschlaufe dran, die guckt dann auch mal über die Blüten und Blätter,….Aber das ist eine andere Geschichte. Kurz Jakob Augstein „Die Tage des Gärtners“ ist ein schön geschriebenes und nett gestaltetes 255 Seiten starkes Buch, dass in den Gartenanfangsjahren in einer schönen Mischung zwischen Gelehrsamkeit und flüffiger Schreibe die Lust auf Garten wieder gibt bzw. es sich gefallen lässt die eigenen Erfahrungen eloquent referiert in Lesestoff noch mal nacherzählen zu lassen.

Oder als Geschenk für diese Sorte Neugärtner in den großen bis mittelgroßen Städten gerne genommen.