Sie tragen – ganz untypisch für Schweine – ein Haarkleid mit Unterwolle und lockigen braunen bis schwarzen Borsten. Sie leben in Lippe im Dörentruper Ortsteil Humfeld und haben kürzlich Junge bekommen: die Mangalica-Wollschweine des Lippequalität-Bauern Friedrich Begemann. Die beiden jungen Wollschweinsauen Lotti und Molly sind Erstgebährende und haben sich gegenseitig bei der Geburt ihrer insgesamt neun Ferkel fürsorglich geholfen. Nun ist der erste Wurf dieser Wollschweine da und wuselt durch Stroh und Streu. Eigentlich müssten die wieselflinken Schweinchen ja Frischlinge heißen, denn die Verwandtschaft zu den Wildschweinen ist unmittelbar sichtbar. Sie knabbern inzwischen alles an, was essbar sein könnte. Mit ihrer dicken Speckschicht können Wollschweine problemlos das ganze Jahr im Freien sein, wenn sie einen Unterstand und eine Suhle haben. Dorthin werden die beiden Wollschweinmütter mit ihren neun quicklebendigen Jungtieren und dem gemütlichen Vater Eberhard auch in Kürze ziehen.

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Bildquelle: Die Humfelder Wollschweinmütter Lotti und Molly mit ihren neun lebhaften Ferkeln (privat)

Die Speckschicht war es auch, die die Mangalica-Wollschweine – ursprünglich eine ungarische Schweinerasse – so weit zurückgedrängt hat, dass sie drohten auszusterben. Sie wurden im vorigen Jahrhundert von Schweinerassen abgelöst, die mehr Fleisch und weniger Fett haben, dafür aber auch nicht mehr im Freien gehalten werden können. In Österreich und in der Schweiz haben sich spezielle Vereinigungen zum Erhalt der Wollschweine gebildet. In Deutschland machen das die „Nutztier-Arche“-Höfe und nun auch auf dem Drostehof in Humfeld.

Die kleine Wollschweinsippe in Humfeld ist Teil einer großen Idee, die den Lippequalität-Landwirt Friedrich Begemann zum Handeln antreibt. Er meint: „Ein Dorf muss auch dörfliches Leben mit Tieren umfassen, will man auch junge Familien dorthin holen. Es darf nicht zum Schlafort verkommen, in dem es gar nichts mehr gibt.“ Darum nutz er seine Hofstelle und den Humfelder Drostehof direkt an der Hume und siedelt dort unterschiedliche Tierarten an. Die Besonderen haben es ihm dabei offenbar angetan: Zwei Angusrinder in braun und schwarz stehen schon auf der Weide, polnische Gänse schnattern auf der Wiese, Hühner sollen noch kommen.