Alles begann 2011 mit dem Modellprojekt „Vielfalt ländlicher Gärten“, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wurde. Um die Vielfalt in den Gärten der Region zu erhalten, machte sich das LWL-Freilichtmuseum Detmold in Westfalen auf die Suche nach alten Gemüsesorten. Im Zuge dieses dreijährigen Projektes wurde ein Netzwerk von Gartenliebhabern und Pflanzenpaten aufgebaut, das sich nun erstmals im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) traf.

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Bildquelle: Fachleute und engagierte Schützer unter sich

„Es haben sich nicht nur Menschen bei uns gemeldet, die alte Sorten bei uns abgeben wollten, sondern auch Personen, die an der Übernahme und Erhaltung alter Sorten interessiert waren“, berichtet die Projektleiterin Agnes Sternschulte. Über 100 „Netzwerker“ sind es insgesamt, von denen sich nun etwa 60 zum Erfahrungs- und Pflanzenaustausch im LWL-Freilichtmuseum Detmold trafen. Dabei wurde über Techniken der Saatgutvermehrung und die Vorteile der alten Sorten referiert, es gab einen Rückblick auf die Arbeiten der vergangenen drei Jahre und es wurden praktische Tipps zur Vermehrung der alten Sorten weitergegeben.

Ein wichtiger Teil des Treffens war der Austausch von Saatgut und den mit den alten Sorten verknüpften Geschichten. Warum wird in einigen Familien seit über 50 Jahren Saatgut einer bestimmten Gemüsesorte vermehrt? Wie wird die Sorte angebaut, wie wird das Saatgut geerntet, welche Samenkörner gelangen zur Wiederaussaat? „Für uns ist es enorm wichtig, diese Geschichten weiter zu selektieren, denn sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des schützenswerten Kulturguts“, so Sternschulte .

Einige der „Netzwerker“ haben bereits im vergangenen Jahr fleißig angebaut. Nachdem die zusammengetragenen Pflanzen gesammelt, dokumentiert und zunächst in einem speziellen Vermehrungsgarten im LWL-Freilichtmuseum vermehrt worden waren, wurden bereits 2014 einige der alten Sorten an Interessenten abgegeben und von diesen angebaut, begutachtet, geerntet und wiederum vermehrt. „Für uns ist dieses Netzwerk eine wichtige Sache, denn nur so können wir tatsächlich die Sortenerhaltung gewährleisten“, berichtet Saatguttechnikerin Margret Blümel. Schließlich kann es auch im LWL-Freilichtmuseum durch Umwelteinflüsse zu einem Ausfall der Ernte kommen. „In dem Fall könnten wir auf das Saatgut zurückgreifen, das die Netzwerkteilnehmer gesammelt haben.“ Nach wie vor werden weitere „Netzwerker“ gesucht, die sich an der Sortenerhaltung beteiligen möchten.