Am Wochenende (18.11.) wurde im LWL-Museum für Naturkunde in Münster der erste Atlas über „Seltene Vögel in Nordrhein-Westfalen“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Hunderte ehrenamtliche Vogelkundler kamen zum naturkundlichen Ehrenamtsforum, zu dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ins Museum eingeladen hatte, um das Buch direkt in Empfang zu nehmen.

Bei dem Buch handelt es sich um die Ergebnisse, die ehrenamtliche Helfer beobachtet und dokumentiert haben. Die Dokumentation seltener Vogelarten in Nordrhein-Westfalen stützt sich auf die lange ehrenamtliche Arbeit in den Avifaunistischen Kommissionen in der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO). Das Buch hat das LWL-Museum für Naturkunde produziert. Das Kooperationsprojekt mit der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft wurde durch den Förderverein des Museums und die NRW-Stiftung finanziell unterstützt.

Das 420 Seiten starke Werk im DIN-A4-Format stellt in Form von 179 Artsteckbriefen, reich bebildert und mit Karten illustriert, die einzelnen seltenen Vogelarten vor und erläutert die Geschichte ihres Auftretens während der vergangenen 200 Jahre. Hunderte Melder haben seit den 1970er Jahren ihre Vogelbeobachtungen beschrieben und Belege in Form von Fotos, Filmen oder Tonaufnahmen eingereicht. Zudem wurde die Literatur ausgewertet, die die Naturforscher des 19. Jahrhunderts hinterlassen haben. Jetzt haben die ehrenamtlichen Vogelkundler der Avifaunistischen Kommission die Ergebnisse ausgewertet und übersichtlich zusammengestellt.

„Seltene Vögel – das sind Arten, für die Nordrhein-Westfalen nicht auf dem normalen Zugweg liegt, die aber dennoch regelmäßig und auf eigenen Flügeln hierzulande erscheinen.“ sagt Eckhard Möller von der Avifaunistischen Kommission. „Viele von ihnen stammen aus Asien, aus dem Mittelmeerraum oder sogar aus Nordamerika.“ Sein Kommissionskollege und Direktor des LWL-Museums für Naturkunde, Dr. Jan Ole Kriegs: „Wir haben die von hunderten Hobby-Ornithologen gemeldeten Beobachtungen ausgewertet. Aus den Ergebnissen können wir Erkenntnisse über den Vogelzug oder über Ausbreitungsmechanismen ableiten.“ Die Ursachen einiger Entwicklungen bei Vögeln sind auch für den Menschen relevant. Kriegs: „Wir beobachten Auswirkungen des aktuellen Klimawandels. So haben sich einige wärmeliebende Vogelarten, wie der Orpheusspötter, der früher nur in Südwesteuropa vorkam, in den vergangenen Jahren nach Nordrhein-Westfalen ausgebreitet und brüten bereits hierzulande.“

Das Buch soll die Leser für die heimische Vogelwelt begeistern und das Augenmerk auf die Gruppe seltener Arten lenken. Es soll auch als Arbeitsgrundlage für die vielen ehrenamtlich und beruflich arbeitenden Ornithologinnen und Ornithologen bei der Erforschung von Phänomenen wie Vogelzug oder Klimawandel dienen.

„Seltene Vögel in Nordrhein-Westfalen“, ISBN 978-3-940726-55-1, 420 Seiten, Preis 24,90 Euro, Bezugsadresse: LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster. Telefon 0251.591-05, naturkundemuseum@lwl.org