Anlässlich der Bundeskunsthallen-Ausstellung „Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“ präsentiert die Bundeskunsthalle bis 15. Oktober 2017 den Idealtypus eines persischen Gartens auf dem Museumsplatz.

„Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat.“ Dieses persische Sprichwort zeugt von der Bedeutung und Wertschätzung der Gärten in Iran. Tatsächlich geht das moderne Wort „Paradies“ auf den avestischen Begriff pairidaeza, Umfriedung, zurück. Daraus wurde im Mittelpersischen pardes und in der griechischen Überlieferung paradeisos. Den ältesten überlieferten persischen Garten ließ Kyros der Große im 6. vorchristlichen Jahrhundert anlegen.

Iran kennt verschiedene Typen von Gärten im öffentlichen, aber auch in einem von Wohnhäusern umschlossenen privaten Raum, einem hortus conclusus. Sie alle sind um das lebenspendende Wasser angelegt und folgen dem Prinzip der Aufteilung des Gartens in vier Bereiche. So auch der ca. 400 Quadratmeter große Garten vor der Bundeskunsthalle, der einem Innenhof-Garten eines großen Hauses nachempfunden wurde. Dieser versetzt die Besucherinnen und Besucher in eine farbenfrohe Welt aus orientalischen Pflanzen, Licht und Schatten, Ornamenten und Wasserspielen. Das zentrale Wasserbecken wird gesäumt von Zitronen-, Orangen-, Granatapfel und Erdbeerbäumen sowie Zypressen und Judasbäumen. Bodennahe Pflanzen wie Rosen, Iris und Wildtulpen bilden zusätzlich ornamentale Muster auf dem Boden. In breiten Gängen kann man um das Wasserbecken herum flanieren und von Sitznischen in meterhohen Lehmwänden oder orientalisch anmutenden Sitzgelegenheiten in der „Loggia“ aus den Blick auf den Garten genießen. Neben Bäumen und Büschen dienen in den persischen Gärten auch Mauern als wichtige Schattenspender. Dank des angrenzenden Duftgartens liegt der Geruch von Jasmin, Gewürz-Lorbeer, Rosmarin, Steppen-Salbei oder Zitronen-Thymian in der Luft. Der Audioguide lädt mit persischen Klängen und persischer Poesie zusätzlich ein zu einer Reise in das Land „zwischen Wasser und Wüste“.

„Der Persische Garten. Die Erfindung des Paradieses“ vor der Bundeskunsthalle spiegelt keinen realen Garten wider, sondern bildet vielmehr einen Archetyp ab, wie ihn die Gartenbaumeister seit der Antike im morgen- und abendländischen Kulturraum anlegen. Als wichtiges Element in der iranischen Kultur stellt der persische Garten somit eine Ergänzung zur Präsentation der jahrtausendealten Kulturschätze des Landes in der korrespondierenden Ausstellung im Inneren dar.

Nach dem Liebermann-Garten (2011), dem Kleopatra-Garten (2013) und den Gartenwelten des Fürsten Pückler (2016) ist es das vierte Gartenprojekt der Bundeskunsthalle.

Weltkultur- und Weltnaturerbe in Iran

1972 verabschiedete die UNESCO die „Internationale Konvention für Kultur- und Naturerbe der Menschheit“, um die „Schätze der Menschheit“ für die kommenden Generationen zu bewahren und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Staaten, die diese Konvention unterzeichnen, verpflichten sich zum nachhaltigen Schutz von Baudenkmälern, Natur- und Kulturlandschaften innerhalb ihrer Grenzen. Die UNESCO verleiht den Titel „Weltkulturerbe“ an Stätten, deren Einzigartigkeit und Authentizität von Bedeutung für die ganze Welt sind.

21 Weltkulturerbe-Stätten befinden sich im Jahr 2017 im Iran. Diese werden im Ausstellungsraum am Eingang des Gartenpavillons vorgestellt. Um einen Eindruck von der Pracht der persischen Gärten im heutigen Iran zu vermitteln, präsentiert ein Film die neun im Jahr 2011 von der UNESCO zum Welterbe ernannten Gartenanlagen. Diese sind über das Gebiet des heutigen Iran verteilt und verdeutlichen, wie die jeweils unterschiedlichen klimatischen Bedingungen der Regionen in der Gestaltung und Anlage berücksichtigt wurden. Einige der Gärten befinden sich in der Wüste, ohne Wasser und Flüsse in der Nähe. Dank der Entwicklung eines unterirdischen Wassersystems, der sogenannten Qanate, konnten die Menschen jedoch auch in diesen trockenen Gebieten ihre blühenden Paradiese schaffen. Dieses Wassermanagement ist neben dem Zusammenspiel in den Bereichen Technik, Ingenieurkunst, Architektur und Botanik ein Grund, warum die Gärten von der UNESCO ausgezeichnet wurden.

Eintrittspreis:

Eintrittspreis Garten: €8,50 / Ermäßigt €6,50 / Familienkarte €10,50

Kombiticket Garten und Ausstellung: €14,00 / Ermäßigt €9,00 / Familienkarte €22,50

www.bundeskunsthalle.de